PL 84 Triodenverstärker

Wie auch sein Vorgänger landet der Triodenverstärker in einem Besteckkasten aus dem schwedischen Möbelhaus. Aber bis es soweit war, sollten fast sechs Jahre vergehen. Begonnen hatte alles mit einer Artikelfolge von Frank Kneifel in Jogis Röhrenbude. Frank hatte ganz genau beschrieben, wie man einen Trioden-Amp. berechnet. Nun wollte ich seinen Amp nicht einfach nachbauen sondern selbst mal einen Verstärker berechnen. Die PL 84 lag in ausreichender Stückzahl im Lager und da gab es im Netz auch eine Triodenkennlinie. Und als Vorstufenröhre sollte es die PCC 88 sein. Auch da gab es einigen Vorrat, Also setzte ich mich daran, den Verstärker zu berechnen.

Und so sah dann das Ergebnis der Berechnungen aus. Die Werte in den grünen Kästen zeigen, dass die berechneten Werte recht gut getroffen wurden. Allerdings vergingen bis zu den ersten Messungen noch ein paar Tage. Erst einmal musste ein passendes Versuchsnetzteil gebaut werden, weil das altehrwürdige Röhrennetzteil etwas schwachbrüstig war. Dann konnte die Schaltung auf einem Versuchsbrett aufgebaut und durchgemessen werden.

Sehr interessant fand ich die Idee der Gegenkopplung an der zweiten Triodenvorstufe, die Frank in seinem Entwurf realisiert hatte. Ich verwende in der aufgebauten Schaltung Potentiometer mit Schaltern und kann so den Kondensator auch komplett abschalten. Auf diese Weise kann ich auf die Gegenkopplung über alles verzichten.

Nach diesem ersten Test ging es nun daran, die Trafos für den Verstärker zu beschaffen. Ich fand sie bei der reinhöfer electronic gmbh und bekam dazu gleich noch eine sachgerechte Beratung. Die Ausgangstrafos sind ganz großes Kino und ich habe es in keinster Weise bereut, sie genau dort gekauft zu haben. Ich habe mich für die vergossene Variante mit Haube entschieden. Die Trafos sollten ja letztendlich liegend montiert werden. Für das Netzteil gab es gleich noch eine Siebdrossel in der selben Kerngröße, blieb die Frage nach dem Netztrafo.

Ich hatte zwischenzeitlich die Idee, das Netzteil so auszulegen, dass man sowohl die PL 84 nebst PCC 88 als auch die EL 86 nebst ECC 88 für den Verstärker verwenden kann. Mit dieser Idee im Hinterkopf wendete ich mich wieder an die reinhöfer electronic gmbh. Auch dieses mal wurde ich erstklassig beraten. Extra für mich wurde ein entsprechender Netztrafo berechnet, bei dem sogar die selbe Kerngröße verwendet werden konnte. So haben die Drossel und die Ausgangstrafos M85a Kernpakete und der Netztrafo ein M85b Kernpaket. Alle fein säuberlich in der vergossenen Version mit Haube. Jetzt konnte es an den finalen Aufbau gehen. Wie immer beginnt alles mit einer stabilen Aluplatte und dem "Probesitzen der Trafos.

Wie man auf dem Bild sieht, hatte ich die Wartezeit bis zur Lieferung des Netztrafos schon genutzt, ein paar kleine Baugruppen aufzubauen. Neben der mechanischen Halterung für die Potis entstanden auch eine Platine für die Gleichrichtung der Anodenspannung und eine kleine Platine zur Einstellung der Anodenströme. Letztere fand allerdings nicht den Weg in den fertigen Verstärker.

Bei der Montage der Bauteile wollte ich diesmal keine Lötösenleisten benutzen. Deshalb fertigte ich mir aus Pertinax Zwischenlagen, an denen ich vier Lötstützpunkte befestigen konnte. Auf den folgenden Bildern sind diese Teile zu sehen.

Für die Bestückung setzte ich die Grundplatte in ein Montagegestell. Wobei, Montagegestell ist wohl etwas übertrieben. An der Grundplatte wurden vier entsprechend lange Stücken von Gewindestangen befestigt. Daran kam an der Vorderseite noch ein Stück L-Material, an dem neben den Potentiometern noch die Anschlussbuchsen befestigt waren. So konnte ich zum die Oberseite mit einer Grundlackierung versehen, nach dem die Trafos montiert waren, und andererseits auch die elektrische Verkabelung durchführen.

In diesem Stadium ging der Amp. dann erst einmal mit in die Wohnung, um ihn an den vorgesehnen Boxen zu testen und probezuhören.

Im folgenden gab es immer wieder Änderungen an der Schaltung. So entfielen die 120 Ohm Widerstände zwischen +Ubb und den Ausgangsübertragern. Der Vorteil dabei ist, dass die Endstufenröhren jetzt statt mit 193 Vmit 243 V arbeiten. Dadurch kann und muss der Anodenstrom auf 50 mA verringert werden. Und auch die Einstellregler für den Anodenstrom mussten anders dimensioniert werden. Die Präzisionspotis wurden im Widerstandswert auf 100 Ohm reduziert und dafür der Kathodenwiderstand auf 390 Ohm erhöht. So sinkt die Verlustleistung an den Einstellreglern auf einen zulässigen Wert.

Die Einstellung des Anodenstromes erfolgt über die 10 Ohm Widerstände an den Anoden der Endstufenröhren. Dazu wird zunächst der Anodenstrom der beiden Röhren einzeln eingestellt. Anschließend erfolgt der Abgleich auf 0 V direkt an den Anoden der parallel geschalteten Röhren. In der ersten Betriebszeit habe ich diesen Abgleich drei bis vier mal wiederholt. Danach waren die Ströme stabil.

Nachdem der Verstärker jetzt lief, war ein wenig die Luft raus. Die Vorbereitung des Gehäuses und der Einbau der Montageplatte in selbiges zogen sich dann über fast vier Jahre hin. Immer mal wieder wurde eine Komponente gebaut und im Gehäuse montiert. Und so wurde der Verstärker dann doch nach und nach fertig.

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Autor: Jürgen Uhlich

letzte Bearbeitung: 27.12.2020